Warum die Öffnungsrate sinkt und was Sie dagegen tun können
Von Karsten Büttner
Wer
die jährlichen Statistiken von emarsys
verfolgt, kann sehen: die Öffnungsraten im E-Mailmarketing sinken.
Das tun sie nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern international.
Schnell ist man mit den Argumenten "Informationsflut" und "Spam"
bei der Hand. Doch es gibt wesentlich mehr Gründe und Einflüsse.
Mögliche Faktoren für sinkende Öffnungsraten
Ohne Frage, die Zahl der E-Mails hat zugenommen. Doch mit der
Menge und der oft fehlenden Relevanz, haben wir Anwendungen und
Kulturtechniken entwickelt, mit dieser Anforderung klar zu kommen.
Innerhalb kürzester Zeit haben wir Filtertechniken auf der einen,
menschliches "Scannen" als Technik auf der anderen Seite zur Informations-Vorverarbeitung
entwickelt, um im persönlichen Postfach den Überblick zu behalten.
Die Gründe sind meiner Meinung nach anderweitig zu suchen:
- 1. Mess-technische Gründe
- 2. Listengröße
- 3. Listenalter
- 4. Textliche Gestaltung des Aufmerksamkeitsdreiecks
- 5. Grafische Gestaltung des Aufmerksamkeitsdreieck
- 6. Versandtag
- 7. Versandfrequenz
1. Mess-technische Gründe
Die Öffnungsrate wird traditioneller Weise mit einem Zählpixel
gemessen. Das ist ein 1x1 großes transparentes Bildchen, das in
einer HTML-Mail eingeladen wird, wenn der Newsletter beim Empfänger
geöffnet wird. Allerdings liegt bereits in dieser Formulierung ein
Problem. Zum einen verhalten sich E-Mailclients hier ganz unterschiedlich.
Da beispielsweise Outlook 2007 standardmäßig gar keine Bilder mehr
automatisch einlädt, wird eine zuverlässige Messung verhindert.
Denn sieht der Empfänger den Newsletter im Vorschaufenster ohne
Bilder-Download an, klickt aber auf keinen weiterführenden Link,
hat er den Newsletter rein rechnerisch nicht geöffnet. Andere E-Mailprogramme
laden die Bilder automatisch sobald der Newsletter im Vorschaufenster
angezeigt wird, ohne dass er wirklich vom Empfänger aktiv angesehen
wurde.
Es ist also eine grundsätzliche Problematik vorhanden, die sich
mit unterschiedlichen Techniken zum Teil auffangen lässt. Allerdings
nimmt die Zahl der E-Mailprogramme zu, die standardmäßig das Aufrufen
der Bilder blockieren. Dieser Umstand ist ein wichtiger Faktor,
weil mit jeder neuen Generation von E-Mailclients, die sich nun
am Markt durchsetzt, auch die Öffnungsrate scheinbar sinkt.
2. Listengröße
Große Listen tendieren zu niedrigeren Öffnungsraten. Der Grund:
die Inhalte können notwendigerweise nicht jeden treffen. Das heißt,
mit einem Anwachsen der Abonnentenzahl gibt es eine gewisse natürliche
Unschärfe, wenn der Newsletter "wie immer" versandt wird. Das Problem
der Relevanz trifft hier ganz besonders die großen Verteiler.
3. Listenalter
Eng mit der Größenproblematik ist auch die Alterung verbunden.
Viele Newsletter schaffen es nicht, den Spannungsbogen für die Leser
auch über viele Jahre zu halten. Je begrenzter ein Themenbereich
ist, desto stärker ist dieses Phänomen natürlich. Das heißt, für
die Alt-Abonnenten kann der schwindende Nutzen ein Grund für die
seltenere Öffnung sein. Ist auf der anderen Seite eine starke emotionale
Bindung an den Newsletterbetreiber vorhanden, so wird der Newsletter
nicht abbestellt, sondern einfach nur noch archiviert.
4. Textliche Gestaltung des Aufmerksamkeitsdreiecks
Zum Aufmerksamkeitsdreieck gehören der Absender, die Betreffzeile
und der sofort sichtbare Teil des Vorschaufensters.
Für viele Newsletter gilt, dass der Absender einen starken Einfluss
darauf hat, ob eine Mail geöffnet wird. Hat der Newsletterbetreiber
seinen Absender (zum Beispiel Firmenname statt Person) geändert,
so kann allein dieser Faktor die Öffnungsrate negativ beeinflussen.
Neben dem vertrauensbildenden Effekt wird ein Newsletter oft über
den Absender gefiltert.
Die Betreffzeile ist ein einfach messbarer Erfolgsfaktor. Allein
durch den dort stehenden Text kann es Abweichungen von 50 % und
mehr zwischen Textvarianten geben.
Das Vorschaufenster bietet die Möglichkeit, durch entsprechende
textliche Gestaltung zusätzlich Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es ist
die dritte Ecke des Aufmerksamkeitsdreiecks.
5. Grafische Gestaltung des Aufmerksamkeitsdreieck
Die bildliche Gestaltung des Aufmerksamkeitsdreiecks bezieht sich
insbesondere auf das Vorschaufenster. Traditionell verwenden Newsletterbetreiber
zu über 90 Prozent ein Newsletterbanner, das in der Regel das Firmenlogo
und andere Bildelemente enthält. Nicht selten nimmt dieser Bereich
fast das gesamte Vorschaufenster ein. Fällt aber mit der neuen Generation
der E-Mailclients das automatische Einladen der Bilder weg, ist
dort nicht nur ein großer Weißraum zu sehen, sondern auch eine Null-Information
vorhanden. Verschiedene Tests konnten signifikante Unterschiede
feststellen zwischen Newslettern, die im Vorschaufenster keine Informationen
zeigten, gegenüber denen, die relevante Textinformationen zur Verfügung
stellten.
6. Versandtag
Der Faktor Versandtag liegt am nächsten. Wer zum Beispiel immer
am Montag versandt hat und nun am Donnerstag versendet, kann einen
Einbruch bei den Öffnungsraten erleben. Ist der Verteiler ausreichend
groß, sollten hier regelmäßige Tests für den besten Versandtag durchgeführt
werden.
7. Versandfrequenz
Sowohl zu häufiges als auch zu seltenes Versenden kann die Öffnungsrate
beeinflussen. Während beim häufigen Versand - beispielsweise wöchentliche
Newsletter von Reisebüros - die Relevanz beim Leser sinken lässt,
kann der zu seltene Versand den Absender in Vergessenheit geraten
lassen ("Kenne ich nicht, für den Newsletter soll ich mich angemeldet
haben?").
Mit drei zentralen Hebeln gegen schwindende Aufmerksamkeit
Drei Maßnahmen machten wir aus, wie die Öffnungsrate beziehungsweise
Aufmerksamkeit beeinflusst werden kann:
- 1. Versandtag und Versandfrequenz testen
- 2. Das Aufmerksamkeitsdreieck
- 3. Sinkende Aufmerksamkeit beim Empfänger auffangen
1. Versandtag und Versandfrequenz testen
Bei einer Reihe von Newslettern spielt der Versandtag eine Rolle.
Entgegen der Erkenntnis aus verschiedenen Studien zum besten Versandtag,
ist es beser als Grundlage für den "besten Versandtag" den oder
die Tage aus der Webstatistik zu ermitteln, an denen die höchsten
Aktivitäten - jenseits des Newsletterversands - auf der Website
stattfinden.
2. Das Aufmerksamkeitsdreieck
2.1 Betreffzeilen
Dass Betreffzeilen an der Öffnungsrate maßgeblich beteiligt sind,
versteht sich von selbst. Doch es ist längst nicht beschlossene
Sache, dass immer die "spannende" oder nutzenorientierte Betreffzeile
am besten ankommt. Hier können getestet werden:
- Nutzenorientierte Betreffzeile vs. Standard-Betreffzeile ("wie
bisher")
- Beschränkung des Betreffzeilen-Inhalts auf ein Top-Thema; dieses
Top-Thema soll im Newsletter dann auch an erster Stelle stehen
- personalisierte Betreffzeilen (dosiert, vielleicht nur für
Sonder-Newsletter)
2.2. Aufbereitung der Inhalte
Der Aspekt Artikelinhalte berührt die Öffnungsrate insofern indirekt,
als die Erfahrung mit vorherigen Artikeln die künftige Erwartungshaltung
beeinflusst. Das heißt, eine Investition in Überschriften und Aufbereitung
von Inhalten kann Öffnungsraten mittelfristig beeinflussen.
- Überschriften "knackiger" formulieren
- Inhalte stärker nutzenorientiert formulieren eventuell mehr
"Sie"-Ansprachen
- "Cliffhanger" nutzen ("Wie Sie diese neue Lösung konkret nutzen
können, erfahren Sie hier ...")
- Umfrage nutzen, um Leser zu aktivieren und einzubinden; Ergebnisse
der Umfrage wieder in Newsletter einspiegeln
- Dynamische Inhalte nutzen, um für Leser uninteressante Inhalte
zu filtern
2.3. Inhaltsverzeichnis statt blinde Bilder
An Stelle der häufig vorzufindenden "blinden Bilder" im oberen
Newsletterteil (Vorschaufenster), kann der Bereich für ein Inhaltsverzeichnis
genutzt werden. In diesem Fall spielen Absender, Betreffzeile und
Vorschaufenster optimal zusammen, weil sie den höchsten Informationsgehalt
für eine Entscheidung zum Öffnen oder Wegklicken geben.
3. Sinkende Aufmerksamkeit beim Empfänger auffangen
Die Öffnungsrate ist ein Indiz dafür, wie hoch die Aufmerksamkeit
für einen Newsletter ist. Zwei Maßnahmen machten wir aus, um die
Aufmerksamkeit mit Bordmitteln einfach zu steigern. Beide Maßnahmen
setzen auf das Auswerten und Nachbearbeiten des vorhandenen Newsletters.
3.1. Erneutes Versenden des Newsletters
Professionelle Versandlösungen ermöglichen Ihnen herauszufiltern,
wer einen Newsletter nicht geöffnet hat. So können Sie mittels Zielgruppenbildung
allen, die den am Montag versendeten Newsletter nicht geöffnet haben,
diesen am Donnerstag abermals zustellen. Mit dieser Maßnahme können
Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Angebote einfach erhöhen. Die zusätzliche
Aufmerksamkeit liegt zwischen 4% - 10%. Eine mögliche Gefahr besteht
darin, dass aufgrund von technisch bedingten Messungenauigkeiten
einige Abonnenten den Newsletter doch bereits gesehen haben und
den Zweitversand als Belästigung empfinden.
3.2. Profilanreicherung
Um künftig einen Überblick zu bekommen, wie hoch überhaupt die
Aktivität der einzelnen Verteiler ist, kann eine so genannte Profilanreicherung
durchgeführt werden. Nach jedem Versand erhält derjenige einen Punkt,
wenn er den Newsletter geöffnet hat. (Diese Aktion wird etwa 7 -10
Tage nach Versand durchgeführt.) Mittels dieser Maßnahme kann ermittelt
werden, wie viele Personen z.B. im letzten halben Jahr überhaupt
keinen Newsletter geöffnet haben.
Fazit
Für ein fatalistisches Achselzucken gibt es keinen Grund. Es gibt
eine Reihe von möglichen Ursachen für schwindende Öffnungsraten,
aber auch Lösungsansätze. Bereits einfache Maßnahmen wie das erneute
Versenden eines Newsletters an Nicht-Öffner können den Response
erhöhen. Eine tiefere Analyse von textlicher und grafischer Gestaltung
birgt ebenfalls Potenziale.
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