Wann versenden? - 6½ Wege zum richtigen Versandtag
Von Karsten Büttner
Gerade wird in einer Studie der Sonntag, in einer anderen der
Montag als der beste Versandtag gehandelt. Was denn nun? Wer hat
recht? Oder anders: Welche Gültigkeit haben Studienaussagen über
den Versandtag überhaupt?
Der österreichische Versanddienstleister dialog-mail
hatte im November 2008 in einer Studie über Öffnungsraten den Montag
als besten Versandtag identifiziert. Newsmarketing
kommt in einer ähnlichen Studie im März 2009 zu dem Ergebnis, dass
Sonntag der beste Versandtag sei, zumindest für E-Mails an Endkunden.
Wie kommt das?
Drei Punkte müssen Sie bei diesen Untersuchungen wissen:
1. Generell sind Studien ein hervorragendes PR-Instrument, um auf
das herausgebende Unternehmen aufmerksam zu machen. Es ist nicht
immer auszuschließen, dass bestimmte Ergebnisse interessegeleitet
sind.
2. Die Ergebnisse haben nur eine begrenzte Haltbarkeit. Dabei bezieht
sich das Ablaufdatum der Erkenntnisse einerseits auf Jahreszeiten
und andererseits auf Gewöhnung. Mit dem Sommer und häufigen Freizeitaktivitäten
außer Haus dürften sich in vielen Endkundenbereichen die Internet-Gewohnheiten
verändern. Die Nutzung wird - wenn sie nicht mobil erfolgt - im
Sommer tendenziell zurückgehen oder sich auf spätabendliche Zeiten
verlagern.
Darüber hinaus haben Untersuchungsergebnisse tendenziell den Effekt,
dass eine ganze Reihe von Versendern den Empfehlungen folgt. Der
Effekt: der gerade als "Top" titulierter Versandtag sackt aufgrund
des erhöhten Mailaufkommens mittelfristig wieder in der Gunst.
3. Der "richtige" Versandtag ist abhängig vom Zielpublikum. So mag
man auf den ersten Blick das Wochenende als Versandtage für B2B-Mailings
für unsinnig erklären. Doch denken Sie einmal an selbstständige
Handwerker. Wann wird "der Papierkram" erledigt? Häufig am Wochenende.
Und das sind auch die Tage, an denen recherchiert wird und E-Mails
"abgearbeitet" werden. Denn unter der Woche ist für gewöhnlich dafür
zu wenig Zeit. Ein Mailing "Buchhaltung für Handwerker leicht gemacht",
das den Zimmermeister oder Dachdecker am Wochenende erreicht, wird
mehr Wirkung als unter der Woche erzielen.
6½ Wege zum richtigen Versandtag
1. Wie gut kennen Sie Ihre Interessenten und Abonnenten? Haben Sie
ein genau definiertes Publikum (Handwerksmeister, PC-Administratoren,
Eltern von Kleinkindern), deren Gewohnheiten Sie gut beschreiben
können? Dann haben Sie meist schon einen Anhaltspunkt, wann wohl
der beste Termin ist.
2. Rufen Sie Ihre Website-Statistik auf. Stellen Sie fest, an welchem
Tag die meisten Zugriffe erfolgen. Achten Sie darauf, die Woche,
in der ein Newsletterversand erfolgte, nicht in die Statistik einzubeziehen.
3. Betreiben Sie einen Online-Shop, dann können Sie auch erkennen,
wann die stärksten Tage sind, an denen geschaut und gekauft wird.
4. Beobachten Sie Ihre direkten Wettbewerber. Müssen Sie immer in
der gleichen Woche wie Ihre Mitbewerber versenden, dann versuchen
Sie Ihre Mail einen Tag früher zu verschicken.
5. Zur Ermittlung des richtigen Versandtages gehört auch die Überlegung
bei monatlichem Versand, ob die Mail eher am Anfang, in der Mitte
oder zum Ende des Monats versendet werden sollte. Auch hier gibt
es eine Reihe von Variablen: Wie lange braucht der Leser für eine
Kaufentscheidung? Spielt die Verfügbarkeit von Lohn oder Gehalt
zu Monatsende oder -anfang eine Rolle bei der Kaufentscheidung?
Publikum, Produkt und Preis können also ebenfalls eine Rolle bei
der
6. Vergessen Sie alle Vermutungen und Beraterweisheiten. Testen
Sie einfach verschiedene Versandtage. Je nach Größe Ihres Verteilers
können Sie mit Hilfe eines Tests für alle sieben Tage (manchmal
aber auch nur für wenige Tage) den besten Versandtag für sich ermitteln.
Um einigermaßen verlässliche Zahlen zu bekommen, müssen Sie mindestens
100 Antworten pro Versandtag erzielen. Die magische Zahl 100 bestimmt
damit die Größe Ihrer Testgruppen. Nehmen Sie an, dass die durchschnittliche
Öffnungsrate 40 % beträgt. Dann rechnen Sie 100 (Antworten) / 40
= 2,5 und dann 2,5 x 100 = 250. Sie benötigen also 1.750 Adressen
(7 x 250) allein für Ihren Sieben-Tage-Test. Ein derartiger Test
ist für Sie aber nur sinnvoll, wenn Sie weit mehr als 10.000 Adressen
haben. Ansonsten dürften der erhöhte Aufwand und der mögliche Mehr-Ertrag
in keinem guten Verhältnis stehen.
6½. Hat Ihre Versandlösung, die Möglichkeit Präferenzen einzurichten,
könnten Sie für jeden Adressaten einen eigenen Versandtag festlegen.
Beachten Sie die Formulierung "könnten". Technisch ist die Einstellung
eines individuellen Versandtags machbar und könnte sich bei großen
Verteilern vielleicht lohnen. Allerdings wird die Verwaltung ungleich
höher, weil Sie sieben Mal versenden und entsprechend sieben Auswertungen
zu vergleichen haben. - Ändern sich die Lesegewohnheiten, ist es
in der Praxis unwahrscheinlich, dass viele Leser ihre Präferenzen
ändern.
Fazit
Untersuchungen wie die von Newsmarketing und dialogmail sind dennoch
nicht nur "interessant", sondern können als Prüfgröße dienen. So
können Sie statt eines Sieben-Tage-Testes einfach "Ihren" Versandtag
gegen den Sonntag testen.
Hinweis auf diesen Artikeln jetzt twittern: 
der-newsletter-experte.de
Karsten Büttner
Rostockstr. 2
23564 Lübeck
Fon +49 (0)451-61129920
Fax +49 (0)451-61129930
mailto:karsten.buettner@der-newsletter-experte.de
Was möchten Sie jetzt tun?
|