4 Optimierungsansätze für den DELL-Newsletter
Von Karsten Büttner
Dell ist bekannt für sehr gute telefonische Beratung und für
einen hervorragenden Service. Die Website selbst ist nutzerfreundlich
und setzt dynamische, nutzungsabhängige Inhalte ein. Verweilt man
zum Beispiel auf einer Überblicksseite etwas länger, erscheint ein
Popup "Haben Sie eine Frage?" mit dem Angebot, direkt zu chatten.
Vor diesem Hintergrund lässt sich vermuten, dass auch das Werkzeug
Newsletter "intelligent" eingesetzt wird. Die Trennung in private
Nutzer, kleine, mittlere und große Firmen sowie öffentliche Auftraggeber
lässt vermuten, dass auch die Newsletter sehr zielgerichtet Angebote
unterbreiten.
Als erstes fällt auf, dass jeweils nur ein Newsletter für Privatkunden
und einer für kleine Unternehmen angeboten wird. Wir betrachten
hier den Newsletter für kleine Unternehmen. Das heißt, bei mittelständischen
und großen Kunden sowie bei öffentlichen Auftraggebern verzichtet
man auf eine kostengünstige Bindung von Interessenten und Kunden.
Der Dell-Newsletter für kleine Unternehmen.
1. Optimierung der Adressgewinnung auf der Website
Auf der Startseite für kleine Unternehmen wird der Newsletter nicht
prominent beworben. Vielmehr ist er ein Punkt unter vielen in der
linken Navigationsleiste.

Suchen Sie den Newsletter? Viel Glück ...
Besser wäre es, anstelle des großflächigen Bildes im sofort sichtbaren
Bereich rechts oben ein komplettes Eintrageformular zu installieren,
das auf jeder Seite angezeigt wird. Alternativ dazu - weil auf den
Folgeseiten der Platz dazu fehlt - kann lediglich ein E-Mailfeld
genutzt werden:

Möglichkeit: Mehr Abonnenten
durch reduzierte Datenabfrage
Im horizontalen Menü könnte zusätzlich der Menüpunkt Newsletter
eingefügt werden.
Nach dem Ausfüllen und Absenden würde sich ein vollständiges Formular
öffnen, in dem gegebenenfalls noch Interessensschwerpunkte abgefragt
werden könnten. Diese könnten genutzt werden, um dem Leser nur die
Informationen zukommen zu lassen, die ihn wirklich interessieren.
Wenngleich aus Gründen des Corporate Design bei Dell vorwiegend
die Farben Blau und Grau verwendet werden, wäre eine zusätzliche
Hervorhebung durch eine andere Farbe für den Newsletter sinnvoll.
Das Eintrageformular könnte beispielsweise grün hinterlegt sein.
2. Anmeldeprozess unter dem Aspekt Vertrauensgewinnung optimieren
Dringend anzuraten wäre außerdem ein rechtssicheres doppeltes Opt-In
beim Eintrag in den Verteiler. Eine Reduzierung der Navigation und
eine übersichtlichere Gestaltung der Transaktionsseiten (Bestätigung
der Eintragung u.ä.) wären wünschenswert. Die gesamte Gestaltung
der Website ist jedoch stattdessen auf einen schnellen Abverkauf
orientiert und versucht selbst auf den Transaktionsseiten noch zu
verkaufen. Das erscheint zumindest im deutschsprachigen Raum als
zu aufdringlich.
3. Verhaltensorientierte Inhalte statt zielgruppen-gesteuerte
Streuung
Zurzeit erhält jeder Leser des Newsletters "Kleine Unternehmen"
den gleichen Newsletter - egal ob er Interessent oder Kunde ist.
Die im Newsletter dargestellten Inhalte unterscheiden sich auch
nicht, ob jemand auf bestimmte Produkte geklickt hat oder nicht.
Selbst auf die einfachste Personalisierung verzichtet Dell. Damit
vergibt das Untenehmen an dieser Stelle die Möglichkeit der personalisierten
Ansprache zugunsten einer breiten, verhaltensunabhängigen E-Mailkampagne.
Ungeschickt ist das insbesondere dann, wenn ein Kunde gerade zum
Beispiel ein Notebook erworben hat und im nächsten Newsletter -
noch vor Erhalt des bestellten Gerätes - gleich wieder Notebooks
zu Sonderkonditionen beworben werden. Da kann beim Kunden leicht
das Gefühl aufkommen, zu früh gekauft zu haben.
Fast der gesamte
Newsletter besteht aus Grafiken - ein
gefundenes Fressen für Spamfilter
Hier wäre insgesamt eine "After Sales"-E-Mailbetreuung sinnvoller,
die einerseits auf das Produkt eingeht, im wesentlichen Kundenzufriedenheit
erreichen sollte und andererseits mit einem gezielten Cross-Selling
arbeitet.
Dabei würde der Newsletter durchaus gewinnen, wenn die Herausgeber
das Medium nicht ausschließlich als elektronischen Prospekt verständen.
Schließlich bietet die Website genügend interessante Inhalte, die
den Betrieb des erworbenen Produktes effizienter gestalten und den
Kunden zufriedener machen könnte. Leider wird dieses Potenzial verschwendet.
4. Mehr Text
Wer Outlook verwendet, erhält sämtliche E-Mails standardmäßig ohne
Bilder. Diese müssen erst aktiv nachgeladen werden. Vor diesem Hintergrund
ist es nicht ratenswert, dass der Newsletter bis auf das Impressum
und die Sonderkonditionen sämtliche Inhalte nur als Grafik verfügbar
macht.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts
- Nur Hartgesottene klicken hier, um zu sehen, ob's was Wichtiges
ist
Die Klickrate ließe sich hier garantiert steigern, wenn zumindest
Alternativ-Texte bei den fehlenden Bildern hinterlegt wären, sodass
der Empfänger einen Grund findet, die Grafiken nachzuladen. Insgesamt
verzichtet Dell, die wertvollen Kundendaten - und dabei ist die
Personalisierung noch das Geringste - für den Newsletter einzusetzen.
Der Newsletter kommt als elektronische Massenwurfsendung und verschenkt
damit immenses Potential. Zusätzlich erhalten Kunden außerdem noch
gedruckte Prospekte, die ebenso wenig auf das Kaufverhalten abgestimmt
sind. Damit konterkariert Dell seine ansonsten recht effiziente
Verkaufs- und Serviceabteilung.
Der Dell-Newsletter ist ein typisches Beispiel dafür, dass
eben auch große Unternehmen beim E-Mailmarketing längst
nicht auf dem neuesten Stand sind. Die absofort-Newsletter-Studie
von 2007 offenbart es deutlich: es gibt ein hohes Optimierungspotenzial.
Diese vier Ansätze sind allerdings nur als Erste-Hilfe-Maßnahmen
zur Optimierung zu verstehen. Weit mehr lässt sich durch systematisches
Austesten erreichen. Neben den naheliegenden Tests von Betreffzeilen
wären es im Falle eines Computerhändlers beispielsweise
Preisstrategien: Was zieht besser, der Rabatt oder eine Zugabe?
Aber auch bei den einzelnen Angeboten müssen Überschrift,
Text, Handlungsaufruf, Bild, seine Anordnung, farbliche und räumliche
Ausgestaltung, als Variablen begriffen werden.
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