Follow-Up-Marketing: So schöpfen Sie enge Marketingbudgets bis
zum Maximum aus
Von Karsten Büttner
Sieben Mal muss eine Werbung wahrgenommen werden, bis der Kontaktierte
die beabsichtigte Handlung -meist ein Kauf - ausführt. So jedenfalls
lautet die eiserne Werberegel. Auch wenn Sie die tatsächliche Zahl
nicht auf die Goldwaage legen sollten, Fakt ist: die wenigsten Menschen
kaufen nach einem einmaligen Werbekontakt. Sie müssen für einen
Kauf erst reifen.
Follow-Up-Marketing beschäftigt sich mit eben diesem Reifeprozess.
"Nachfassen" heißt das bekannte Verfahren in der alten Werbeschule.
Die Voraussetzung für Follow-Up-Marketing ist, dass sich der Interessent
zu erkennen gibt und zumindest seine E-Mailadresse zum Zweck der
Kommunikation hinterlässt.
Was im Deutschen wie Wadenbeißen klingt, bedeutet im Grunde nur,
dass einmal geknüpfte Kontakte weiter verfolgt werden. Das ist auch
deswegen einleuchtend, weil durch den Erstkontakt zunächst einmal
die Interessierten von den Nicht-Interessierten getrennt wurden.
Folgerichtig sind im nächsten Schritt "irgendwie" Interessierte
in möglichst viele Käufer zu wandeln. Dabei lassen sich für fast
alle Geschäfte verschiedene Zeithorizonte verankern. Das heißt:
wer nicht sofort kauft, ist immerhin zu einem späteren Zeitpunkt
ein möglicher Käufer. Aus diesen Grundannahmen wird eine Follow-Up-Strategie
abgeleitet, die auf bestimmte Signale der Interessenten reagiert.
Hat jemand mehr Informationen zu einem Produkt angefordert, wird
er anders behandelt als derjenige, der sich nicht intensiver auseinander
gesetzt hat.
In den meisten Unternehmen werden dagegen neue Kontakte oft nur
nach "kauft jetzt" oder "kauft jetzt nicht" eingeteilt. Damit wird
ein enormes Potenzial verschenkt. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens
Gartner Group fand heraus, dass 70% aller interessierten Anfragen
von Unternehmen nicht weiter verfolgt werden.
Vom ersten Werbekontakt zum Kauf
Wie schnell der Kauf eines Produktes oder einer Leistung erfolgt,
hängt unter anderem vom Geschäftsumfeld und der Produktbeschaffenheit
sowie der Situationen ab. Wer als Unternehmer nach dem ersten vergeblichen
Werbeversuch gleich aufgibt, verschenkt viel Potenzial.
Denn ausschlaggebend für Kaufentscheidungen sind der Risikorahmen,
die Komplexität der Auswahl und die Höhe der Investition. Es leuchtet
ein, dass die Anschaffung einer Software für Warenwirtschaft eine
andere Entscheidungsfindung erfordert als der Kauf eines Taschenbuchs
für unter 10 Euro.
Doch so unterschiedlich die Verkaufsprozesse im Einzelnen sind,
so gleichen sich die Stationen, die für den Kaufabschluss erforderlich
sind. Vom Erstkontakt an gilt es, Interesse zu verstärken, Vertrauen
zu erzeugen, Kaufinteresse zu wecken und schließlich den Kauf zu
veranlassen. Jeder dieser Schritte benötigt eigene Informationen
und Argumente, die je nach Produkt, Branche und Umfeld unterschiedlich
komplex sein können.
Follow-Up-Marketing geht davon aus, dass ein Nicht-Käufer einfach
noch nicht kaufbereit ist und erst qualifiziert werden muss. Und
dabei muss Follow-Up-Marketing keineswegs ein eindimensionaler Kanal
sein, der nach sieben Verkaufsversuchen den Interessenten links
liegen lässt.
Follow-Up-Marketing in der Praxis
Ein typisches Nachfassen besteht aus einer Reihe von Kommunikationsschritten,
die miteinander verbunden sind. Das heißt, inhaltlich und formal
nehmen die einzelnen Schreiben Bezug aufeinander.
"Vor fünf Tagen haben Sie von uns Informationen zum XY-Produkt erhalten.
Gerade wurde dieses in der ABC-Zeitschrift für Design besprochen
und wir möchten Ihnen diesen Artikel gerne zugänglich machen ..."
Die Marketingabteilung hat also zunächst Produktinformationen gesandt
und nun eine Besprechung des Produktes von Dritten zur Vertrauensbildung
geschickt.
Übertragen wir das auf die Kommunikation eines Reiseanbieters. Ein
Interessent klickt in einem Newsletter auf den Artikel "Emirates
Palace". Wenig später erhält er eine kurze Nachricht, mit der auf
weitere Bilder aus dem Hotel verwiesen wird. Natürlich vergisst
die Mail auch nicht darauf hinzuweisen, dass das spezielle Arrangement
zum Sonderpreis nur begrenzt verfügbar ist. Wer diese Mail erhalten
hat und auf die zusätzlichen Fotos geklickt hat, bekommt eine weitere
Mail. Wer dagegen diesen Link nicht geklickt hat, erhält keine weitere
Mail. Durch diese einfache Maßnahme werden die Neugierigen von den
Interessenten unterschieden.
Die nun folgende Mail enthält eine Referenz eines Hotelbesuchers,
der kürzlich im Emirates Palace genächtigt hat. Für weitere Referenzen
kann der Interessent auf einen Link zu einer Website klicken. Sie
ahnen es: wer auf den Link für weitere Referenzen geklickt hat,
erhält eine Folgemail, vielleicht mit dem Hinweis wie viele Plätze
für den nächsten Termin noch frei sind.
Der Reiseanbieter kann dieses Spiel, wenn nötig, bis kurz vor Buchungsschluss
betreiben. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. Denn im Grunde
hat er mit dieser Art Leadmanagement schon einen Grundstein gelegt
für weiteres, zielgerichtetes E-Mailmarketing.
Zwei Wochen später arrangiert der Reiseanbieter eine neue E-Mailsequenz,
um Kunden für eine exklusive Kreuzfahrt zu gewinnen. Er öffnet seine
Newsletter-Versandsoftware, gibt die notwendigen Texte ein, erstellt
die Regeln und geht in die Verwaltung der E-Mails. Hier definiert
er: "Schreibe alle diejenigen an, die auf den Link "Referenzen für
das Hotel Emirates Palace" geklickt haben." Wer diese E-Mail geöffnet
hat und weitere Informationen über die Kreuzfahrt angefordert hat,
hat sich ein weiteres Mal qualifiziert.
Wochen später zieht der Reiseveranstalter für eine weitere Kampagne
den Kreis noch enger. Wieder wird eine exklusive Reise beworben.
Nun grenzt er das Potenzial der möglichen Kunden aufgrund der vorhandenen
Daten ein, indem er verschiedene Optionen miteinander kombiniert.
"Schreibe alle an, die Referenzen für das Hotel Emirates Palace
angefordert und sich für ein Wochenarrangement im Kempinski in Saudi
Arabien, aber nicht für das Angebot Kreuzfahrtschiff interessiert
haben."
Wieder wird eine Qualifizierungssequenz ausgelöst, an deren Ende
eine Anzahl von Buchungen steht. Mit der Zeit bekommt der Reiseanbieter
Routine, wie viele Vorqualifizierte er benötigt, um eine bestimmte
Anzahl an Buchungen zu erhalten.
Vielleicht fragen sich nun einige besorgt, ob der Datenschutz dieses
Vorgehen denn überhaupt erlaubt. Möglich wird das durch ein Verfahren,
bei dem die Adressen nur über die Regelsteuerung angegangen werden,
ohne dass Sie vor dem Versand Kenntnis erhalten, ob auch Herrn Mustermann
(mustermann@webonline.com) angeschrieben wird. Erst wenn Herr Mustermann
die beworbene Reise bucht, offenbart er seine Identität.
Follow-Up-Marketing, das mit dem Adresspool des eigenen Newsletters
arbeitet, hat gegenüber dem Verfahren, das als nächstes beschrieben
wird, meist einen Vorteil. In der Regel hat der Leser des Newsletters
dem Absender einen gewissen Vertrauensvorschuss gewährt. Wer mit
einer eigenständigen E-Mailsequenz arbeitet, muss dieses Vertrauen
erst erarbeiten, weil der Abonnent den Absender in der Regel noch
nicht kennt.
Automatisierte Follow-Up-Folge
Für automatisiertes Follow-Up-Marketing gibt es kein festes Schema.
Je nach Branche, Produkt, Kontaktperson und Unternehmensphilosophie
entscheidet sich, wie potenzielle Kunden angesprochen werden, welche
Elemente (zum Beispiel Online-Präsentation, Fragebogen, White Paper)
überhaupt zum Einsatz kommen.
Ein möglicher Ablauf könnte so aussehen
1. Mail: Überblick über das anzugehende Thema (Tag 1)
2. Mail: Nutzen darlegen (Tag 2)
3. Mail: Emotionalen Grund für Kauf geben (Tag 3)
4. Mail: Vertrauen schaffen durch Fallstudien, Testimonials, Links
zu Referenzen (Tag 6)
5. Mail: Rationalen Grund für Kauf liefern (Tag 7)
6. Mail: Ein Fragebogen als Hürde entscheidet, wer sich für einen
baldigen Kauf qualifiziert (Tag 8)
7. Mail: Version a) an Kaufinteressent b) an Interessent mit niederer
Priorität (Tag 10)
Das automatisierte Follow-Up-Marketing besteht aus einem Dialog
mit dem Interessenten, der aus einer Sequenz von E-Mails besteht,
die miteinander verbunden sind. Es ist hilfreich, wenn Sie beim
Schreiben daher immer wieder Bezug nehmen. "In der zweiten Mail
vor drei Tagen hatten Sie von mir erfahren, wie unser Monitoringsystem
in Ihrem Unternehmen eingesetzt werden kann."
Sie nehmen den Faden Ihrer vorhergehenden E-Mail wieder auf, indem
Sie den wichtigsten Gedanken wiederholen. Entweder kann sich der
Leser durch die Wiederholung an die vorhergehende Mail erinnern
oder er bekommt durch den Hinweis "vor drei Tagen" die Möglichkeit,
noch einmal im E-Mailordner nachzusehen.
Wie oft Sie versenden, wird vom Produkt und möglichen Entscheidern
abhängen. Handelt es sich um eine niedrig- bis mittelpreisige Software,
die für kleine Betriebe geeignet ist, haben Sie wahrscheinlich mit
dem Empfänger der E-Mailsequenz auch gleichzeitig den Entscheider.
Hier wird es in kürzerer Zeit möglich sein, einen Kaufabschluss
zu erzielen als in einem Unternehmen, in dem die Entscheidungsstrukturen
komplexer gelagert und die Investition für ein Produkt weit höher
sind.
Ob Sie mit einer E-Mailsequenz direkt Kaufabschlüsse erzielen können,
wird vom Produkt abhängen. In einigen Fällen kann die Follow-Up-Sequenz
mit einer direkten Online-Verkaufsseite verbunden werden. In anderen
Fällen dient das Follow-Up-Marketing der Vorqualifizierung, während
der eigentliche Verkauf in einem persönlichen Verkaufsgespräch geschieht.
Fazit
Follow-Up-Marketing ist eine Schlüsselstrategie im Online-Marketing.
Die größten Vorteile bestehen darin, dass die meisten Schritte im
Online-Marketing automatisiert werden können und das Werbebudget
optimal ausgenutzt werden kann, indem die vorhandenen Kontakte Schritt
für Schritt qualifiziert werden.
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Karsten Büttner
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