Die Priority Inbox: Wie Ihr Newsletter die Hürden überwindet
Von Karsten Büttner
Während die meisten E-Mailclients eingehende Post einfach nach
dem chronologischen Prinzip ordnen, haben drei große E-Mail-Provider
bereits eine Priorisierung eingeführt. Diese bedeutet, dass es einen
beziehungsweise mehrere Ordner gibt, in denen nach Relevanz E-Mails
eingeordnet werden. Es ist anzunehmen, dass andere E-Mailprovider
diesem Beispiel folgen werden. Grund für diese Maßnahme ist die
anhaltend hohe Zahl von E-Mails. Wie funktionieren diese Sortierungsfilter
und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für E-Mailmarketer?

Microsoft, Yahoo Mail und seit August 2010 Gmail haben Filtersysteme
installiert, die E-Mails nicht mehr rein chronologisch sortieren.
Vielmehr sorgt ein Extra-Fach dafür, dass hier die wichtigsten Mitteilungen
einsortiert werden.
Auch wenn die drei großen E-Mail-Provider im Detail unterschiedlich
arbeiten, so ist ihnen gemeinsam, dass sie das Empfängerverhalten
für die Sortierung zugrunde legen:
- Was genau hat der Empfänger in der Vergangenheit mit Mails
des gleichen Absenders getan?
- Was hat der Empfänger mit Mails ähnlichen Inhalts getan?
Dabei wird zum Beispiel erfasst, ob der Empfänger eine Nachricht
öffnet oder gleich löscht, ob er sie liest, weiterleitet oder auf
sie antwortet. Je regelmäßiger und intensiver die Kommunikation
mit der empfangenen Nachricht ist, desto stärker sind das Signale
für eine Priorisierung.
Die Filterung der Post hat zur Folge, dass es Mails gibt, die "oben
auf dem Stapel" liegen und solche, die unter "der Rest" mit niedrigster
Priorität liegen werden.
Die Idee an sich ist gut, denn diese Vorauswahl spart Zeit. Google
geht nach eigenen Untersuchungen davon aus, dass im Vergleich zum
normalen E-Mailnutzer der typische "Priority Inbox"-Leser 43% mehr
Zeit damit verbringt, wichtige Mails zu lesen; 15% weniger Zeit
würden auf unwichtig kategorisierte Mails verwendet.
Was bedeutet das für Newsletter-Versender?
Für Sie als Newsletterversender wird es daher noch wichtiger sein,
in das Prioritäts-Postfach zu kommen. Das heißt, es kommt darauf
an, häufig genug gelesen zu werden und Interaktionen auszulösen.
Relevanz ist dafür der entscheidende Faktor. Relevanz wiederum entsteht
durch verschiedene Maßnahmen, die Sie im Vorfeld ergreifen sollten
und bei der Gestaltung des Versands beachten sollten.
Maßnahmen zur Steigerung der Relevanz von E-Mails
Doppeltes Opt-In
Bereits das Anmeldeverfahren stellt einen Schlüssel dar, ob und
wie E-Mails wahrgenommen werden. Denn nur mit einer eindeutigen
Zustimmung ist beim Empfänger die notwendige positive Wahrnehmung
vorhanden, um überhaupt die erste Aufmerksamkeitshürde zu überwinden.
Das heißt, bei der Adressgewinnung gilt die Parole "Klasse statt
Masse".
Präferenzen erfassen
Relevanz stellen Sie her, indem Sie Ihren Lesern die für ihn wichtigen
Inhalte liefern. Wenn Sie ein breites Themenspektrum abdecken, ist
es hilfreich für beide Seiten, dass Sie den Leser Präferenzen festlegen
lassen. Diese Interessenauswahl kann auf drei Wege erfolgen:
- direkt mit dem Eintrageformular
- mit Follow-Up-Mails nach der Bestätigungsmail
- Verweis in jedem Newsletter auf das Präferenzcenter (andere
nennen das Profilmanager)
Engagement messen (für Verteiler ab ca. 20.000)
Messen Sie regelmäßig die Art des Engagements Ihrer Leser: Erfassen
Sie Öffner, Klicker, Käufer und gestalten Sie die Inhalte dynamisch.
Beispiel: wer in den letzten sechs Monaten den Newsletter nur geöffnet
hat, erhält einen Gutschein. Wer in den letzten sechs Monaten mehrfach
auf eine bestimmte Produkt-Kategorie geklickt, aber nicht gekauft
hat, erhält einen Link zu einer Zusammenstellung verschiedener Produktvarianten.
Käufer erhalten Up- oder Cross-Sellingangebote.
Vorab-Tests
Nicht alle Interessen an Inhalten lassen sich über voreingestellte
Präferenzen erfassen. Ob oder welche Angebote besser ankommen, können
Sie mit Vorab-Tests herausfinden. Schicken Sie verschiedene Varianten
mit A/B-Splittests an kleine Gruppen und versenden Sie dann die
beste Version an den regulären Verteiler.
Pre-Header
Wurde der Pre-Header bislang hauptsächlich für Hinweise zur Darstellung
des Newsletters im Browser genutzt, sehen wir zunehmend mehr Mails,
die nutzenorientierte verlinkte Informationen der eigentlichen Mail
voranstellen. Dieses geschieht, um der in den meisten E-Mailclients
bilderlosen Darstellung einen zusätzlichen Öffnungsgrund zu geben.
Aufmerksamkeitsdreieck
Absenderangabe, Betreffzeile und Vorschaufenster bilden das sogenannte
Aufmerksamkeitsdreieck (Link zum Artikel), das dafür sorgen soll,
zum einen Vertrauen zu wecken und zum anderen Neugier zu erzeugen.
Das setzt voraus, dass neben einer schlagkräftigen Betreffzeile
auch ein Vorschaufenster mit aussagekräftigem Text zu sehen ist.
Fazit
Die Priorisierung von E-Mails bedeutet für Newsletterhersteller
noch stärker als bisher relevante Inhalte zu produzieren. Dafür
ist es notwendig, die Präferenzen zu kennen und das Verhalten der
Nutzer zu analysieren.
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