• Headerbild 07
Unser Newsletter

8 x im Jahr Praxiswissen

Was passiert mit Ihren Daten?

Generell: Wir geben Ihre Daten niemals an Dritte weiter.

Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden wollen, benötigen wir lediglich Ihre E-Mailadresse. Eine Abmeldung aus dem Newsletter ist jederzeit einfach möglich.

Gerne möchten wir Sie persönlich ansprechen. Wer mit einem Pseudonym wie kai_ght78 angeredet werden möchte, kann dieses natürlich auch nutzen.

Beim Newsletter zählen wir Öffnungen und Klicks, stellen jedoch keinen persönlichen Bezug her, wer auf was geklickt hat.

Gleichzeitig nutzen wir diese Technik von Zeit zu Zeit, um Ihnen gezielt Informationen oder Angebote im Newsletter auszugeben, wenn sie mit vorher geklickten Informationen zu tun haben.

Kurzgefasst: Abonnieren Sie unseren Newsletter, dann akzeptieren Sie die oben genannten Bedingungen.

Was passiert mit Ihren Daten?

*Pflichtfeld

Die dunkle Seite

Halloween LandscapeSpam: das ist die andere, die dunkle Seite des E-Mailmarketings. Astronomische Verdienstaussichten, Geldverdienen im Schlaf, Vergrößerung von Körperextremitäten – kurz: Spam verkauft geheime Sehnsüchte.

Die Spamindustrie ist eine übersichtliche Gemeinschaft von vielleicht 100 Händlern, die weltweit agieren. Dazu kommen noch mehr oder weniger große Organisationen, die mit Vorschussbetrug ihr Geld verdienen und unter dem Begriff „Nigeria-Spam“ bekannt geworden sind.

Die geschätzten 500 – 1.500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz der Spambranche werden mit 20 – 50 Milliarden US-Dollar volkswirtschaftlichen Schäden erkauft. Einberechnet sind dabei Filtersoftware, Arbeitszeit und Umweltschäden. (Übrigens: Wer sich über die alten Quellen wundert – über Spam scheint es aktuell keine oder wenig belastbare Zahlen zu geben.)

Spam verbraucht so viel Strom wie 2,4 Millionen Haushalte

Unerwünschte Werbe-E-Mails nerven nicht nur, sondern sind Klimakiller. Jährlich wird für Bearbeitung, Übertragung und Filtern sogenannter Spam-Mails so viel Energie benötigt wie 2,4 Mio. Haushalten. Das ist das Ergebnis einer Studie des auf Klimawandel spezialisierten Beratungsunternehmens ICF International, die vom Sicherheitsspezialisten McAfee in Auftrag gegeben wurde.(1)

Demnach verbraucht Spam jährlich 33 Mrd. Kilowattstunden Energie und verursacht den gleichen Ausstoß von Treibhausgasen wie 3,1 Mio. Autos. Das entspricht einem Verbrauch von über 7,5 Mrd. Liter Benzin. Das sind Zahlen, die für 2008 (!) erhoben wurden. Heute dürfte die Bilanz nicht besser aussehen. Interessant ist, dass es seit 2008 offenbar keine Aktualisierung dieser Zahlen gegeben hat.

Allein 2008 wurden den Angaben zufolge 62 Billionen Spam-E-Mails verschickt. Nach den Berechnungen der ICF-Klimaforscher entsteht je Nachricht 0,3 Gramm CO2. Der Studie zufolge entsteht fast 80 Prozent des Energieverbrauchs beim Sichten und Löschen von Spam, 16 Prozent beim Filtern.

Eine Studie des auf Sicherheitssoftware spezialisierten Unternehmens Symantecs aus dem Jahr 2010 spricht von rund 90 Milliarden E-Mails pro Tag (!). Das wären jedoch vergleichsweise „nur“ 32,85 Billionen Spam-Mails, von denen 80% jedoch gefiltert werden und somit nicht die Adressaten erreichen.(1)

Eine kleine verschworene Gemeinschaft

Für diese Billionen Spam-Mails ist eine recht überschaubare Anzahl an Spammern verantwortlich, die hauptsächlich in China, Rußland, den USA und in einigen afrikanischen Staaten sitzen.

Dabei wird der Spammarkt von sogenannten Bot-Netzen beherrscht. Hierbei werden fremde Computer mit Schadsoftware infiziert, um sie zentral von außen zum Zweck des E-Mailversands zu steuern. Zum Teil sind die Bot-Netz-Betreiber selbst die Versender von Spam, zum anderen Teil bieten sie dieses Versandnetz als Dienstleistung fremden Spammern an. 2009, so heißt es in einer Symantec-Studie aus dem Jahr 2010, waren gerade einmal sechs Bot-Netze für 90 Prozent des Spams verantwortlich. Die Geldflüsse für 75% der weltweit tätigen 100 Spam-Händler werden von gerade einmal drei Banken verarbeitet. Die sitzen in Aserbaidschan, Lettland und dem kleinen Inselstaat St. Kitts and Nevis.

Neben der Strategie, die fremden Computer als Versandplattformen zu nutzen, werden auch real existierende E-Mailkonten von legitimen Nutzern gekidnappt und für den Spamversand zweckentfremdet.

Was Spammer zahlen und umsetzen

Schätzungen (2) zufolge zahlt ein Spammer pro eine Million nicht blockierter E-Mails gerade einmal 30 US-Dollar. Studien von 2011 (3) gehen von einem Durchschnitts-Warenkorb von 50 US-Dollar aus. 150.000 Mails müssen in die Postfächer zugestellt werden, damit eine Bestellung erfolgt, so die Autoren Rao und Reiley in der 2012 veröffentlichten Studie „The Economics of Spam“.(4)

Die zehn größten Spam-Händler haben monatliche Umsätze von 500.000 bis 1,5 Millionen US-Dollar. Der Brutto-Gewinn der Spamindustrie wird auf 180 – 360 Millionen US-Dollar pro Jahr geschätzt.

Welcher volkswirtschaftliche Schaden entsteht

Den individuellen Gewinnen von etwa 100 Spam-Händlern steht ein volkswirtschaftlicher Schaden gegenüber, der pro Jahr zwischen 20 und 50 Milliarden US-Dollar beträgt(5). Die großen Unterschiede beruhen darauf, dass verschiedene Maßstäbe für die Kostenermittlung genutzt wurden. Doch egal, welcher Kalkulation man hier folgt, eines wird deutlich: ähnlich wie in der Atomenergie werden Gewinne privatisiert und immense Kosten auf die Gemeinschaft abgewälzt.

Warum wird dagegen nichts Durchgreifendes getan?

Zunächst einmal: es wird erheblich etwas getan. Sicherheitssoftware für den Endnutzer, verschiedene Filtersysteme auf Seiten der Internet Service Provider. Doch wie ließe sich Spam verhindern? Dazu gab es viele unterschiedliche, teils sehr komplizierte Lösungen, die sich als nicht durchsetzbar herausstellten.

Die für mich bislang einleuchtendste Lösung war ein Internetporto für Massenmails. So könnte der monatliche Versand bis – sagen wir – 500 Mails unbesteuert bleiben. Darüber hinausgehende Mails würden mit einem winzigen Obulus besteuert werden, der gerade so hoch wäre, dass er für einen seriösen Versender nicht ins Gewicht fiele, aber für einen Spammer mit zig Millionen oder Milliarden Adressen der Versand unattraktiv, weil zu teuer wäre.

Wäre damit Spam ausgetrocknet? Nein, leider nicht. Denn schon heute gelingt es Spammern, legitime E-Mailkonten zu kapern und über diese dann Mails zu versenden. Es steht zu befürchten, dass der Spamversand sich mit der Einführung eines Internetportos einfach noch stärker auf die Spambot-Netze verlagern würde.

Banken?

Dennoch gibt es einen entscheidenden Hebel: die Banken. Gerade einmal drei Banken wickeln 75% der Spamgeschäfte ab. Hier wäre die Politik gefragt, die Banken in den entsprechenden Ländern zum Umdenken zu bewegen. Damit wäre ein erster, wichtiger Schritt getan.

Kommt Spam damit aus der Welt? Auch das ist unwahrscheinlich. Alternative Geldsysteme und die Schattenwirtschaft dürften schon als Fallback-Lösung bereitstehen. Mit Spam als Kehrseite des Erlaubnismarketings müssen wir wohl oder übel leben.

Gesetzgebung?

Wie sieht es mit rechtlichen Schritten aus? Haben Sie als Unternehmer jemals versucht, außerhalb der EU Ihnen zustehendes Geld einzutreiben? Die Chancen gehen gegen Null, dass jetzt oder in naher Zukunft eine länderübergreifende Strafverfolgung von Spammern erfolgreich sein wird. Zu stark sind die Partikularinteressen der Länder als dass hier an einem Strang gezogen werden könnte.

Aufklärung?

Natürlich: theoretisch ließe sich Spam austrocknen, indem Menschen aufgeklärt werden und einfach nicht mehr bei Spammern kaufen. Doch so sehr ich an das Gute im Menschen glaube – es gibt eine Binsenweisheit: jeden Morgen steht ein neuer Dummer auf. Spam wirft eben auch einen Blick auf die geheimen Wünsche unserer Gesellschaft. So wie Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ die Illusion auf eine bessere Zukunft Jahr um Jahr erfolgreich aufrecht erhalten können, so wird die Aussicht auf ein wundersames „Erbe“ von mehreren Millionen Dollar immer noch genug Leute beflügeln, vermeintlich kleine Risiken einzugehen.

………………………

(1) Auf der Website http://www.icfi.com ist diese Studie offenbar nicht mehr verfügbar (März 2014), stattdessen hier
(2) Stone-Gross et al 2011
(3) Kanich 2011
(4) Rao und Reiley 2012
(5) http://www.antispameurope.com/de/antispameurope-fuer-ceos/kosten